Praxis & Medizin

„Ich habe einen Riecher“ | Studien

Festvortrag von Univ. Prof. DDr. Dr. med habil. Hanns HATT am 43. Kongress für Allgemeinmedizin Graz

Über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt hat der Grundlagenforscher Univ. Prof. Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum in interessanter wie amüsanter Weise berichtet.

Nicht nur im Bereich der Nase gibt es Riechrezeptoren, sondern in jeder Körperzelle. Mit jedem Atemzug gelangen Duftstoffe in die Blutbahn, wir riechen auch im Schlaf.

Das Duftalphabet besteht beim Menschen aus 350 Buchstaben (Rezeptorproteine), von denen bislang nur etwa 5 genau erforscht sind. Nebenbei liefert diese Forschungsarbeit den wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit der Aromatherapie.

Duft von Jasmin und Thymian wirkt stärker als Valium auf „Schlaf“-Rezeptoren im Gehirn, Minze oder Kalmus haben hingegen anregende und belebende Wirkung.

Maiglöckchenduft wirkt chemotaktisch auf Spermien, Vailchenduft reduziert das Wachstum von Prostatacarcinom- und Melanomzellen und deren Absiedelung, Sandelholz kann das Zellwachstum der Hautzellen steigern und damit die Hautregeneration verbessern!

Auch die soziale Kommunikation erfolgt mit Geruchsstoffen. Der Duft eines Menschen ist genetisch determiniert, es gibt – außer bei eineiigen Zwillingen – keine Menschen mit identem Duft: Phäromone bestimmen die Partnerwahl, nicht nur bei Mäusen.

Hingegen ist die Bewertung von Düften anerzogen, durch persönliche Erfahrungen geprägt und eng an Erinnerungen gekoppelt. So erscheinen füllige Frauen, die nach Blumen duften für Männer um bis zu sechs Kilo leichter, Pampelmusenduft macht sie bis zu sechs Jahre jünger.

Alter ist eine der Hauptursachen eines Riechverlustes, bei Morbus Parkinson und Alzheimer findet man dies sogar als Erstsymptom. Abschließend empfiehlt Professor Hatt tägliches Riechtraining als Anti-Aging Therapie.

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